Schulsystem versagt bei sozialer Gerechtigkeit – LINKE warnt vor Schul-Ghettos

08. Dezember 2010  Archiv Landtagswahl 2011

Der heute veröffentlichte PISA -Test hat Deutschland erneut bescheinigt, Benachteiligungen zu verstärken. Besonders bei Schulen in ungünstigem Umfeld verstärken sie sich. „In keinem anderen Land hat ein sozial ungünstiges Schulumfeld einen derart starken Einfluss auf die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien“, schreibt die OECD. Über 2,5 Jahre liegen Schüler solcher Brennpunktschulen hinter Altersgenossen aus besseren Vierteln und Familien mit gehobenem Lebensstandard zurück. Sind die Eltern noch Migranten, verstärkt sich dieser Effekt noch weiter. Erfolgreiche Bildungssysteme, so PISA, seien vor allem solche, die ihren Schülern unabhängig vom Gehalt der Eltern gleiche Bildungschancen bieten.Auf diesem Hintergrund forderte Marta Aparicio, Spitzenkandidatin der LINKEN bei den Landtagswahlen, mit der Förderung benachteiligter Schüler endlich Ernst zu machen. Gerade in Brennpunktschulen müssten die Klassen keiner sein. Zudem müsse das völlig veraltete Konzept der Vorbereitungsklassen für ausländische Jugendliche nach 30 Jahren endlich ersetzt werden durch ein Konzept integrativer Sprachförderung. „Eine Stunde pro Schüler mit festgestelltem Sprachförderbedarf muss zumindest den Schulen im sozialen Brennpunkt zusätzlich zugewiesen werden“, so Aparicio. Nur so lasse sich ein Sprachförderkonzept realisieren. Zudem dürften solche Schulen nicht schlechter sein, wie es PISA feststellte, sondern müssten besser ausgestattet werde.

Ohrfeige für dreigliedriges Schulsystem

Die frühe Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium wird von PISA ebenfalls kritisiert, da sie die Leistungsunterschiede „nach sozial-ökonomischem Hintergrund“ verstärkt, ohne die Gesamtleistung zu verbessern.

Wenn den Schülerinnen und Schülern dagegen möglichst lange gleiche Bildungschancen geboten werden, schneiden überdurchschnittlich gut ab – und ihre Leistung hängt vergleichsweise wenig von sozialer Herkunft ab.

„Die LINKE wird sich dafür einsetzen, das Aussieben der Kinder nach Klasse 4 zu beenden“, so Roland Hamm, LINKEN – Spitzenkandidat aus Aalen. Die LINKE werde die soziale Gerechtigkeit in der Bildung zu einem wichtigen Wahlkampfthema machen. Die minimalen Verbesserungen bei den Leseleistungen könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zugang zum Gymnasium in Baden-Württemberg besonders stark vom sozialen Hintergrund abhängt. Wer wie die Kultusministerin den eingeschlagenen Weg fortsetzen wolle, vertiefe nicht nur die soziale Spaltung. Dieser Weg führe auch dazu, dass die wirtschaftliche Entwicklung behindert wird, weil Fachkräfte nicht genügend qualifiziert werden.