Neue Hoffnung für Durchstich?

29. März 2011  Allgemein, Presseecho

CDU und SPD sprechen sich dafür aus, der Essinger Wohnungsbau den Durchgang zu Mercatura zu genehmigen

Die Stadt und die Essinger Wohnungsbau verhandeln, ob es doch noch einen Durchstich vom Spritzenhausplatz zu Mercatura gibt. Im Gemeinderat könnte sich ohnehin eine Mehrheit abzeichnen, die geplante Lösung zu ermöglichen. Die Investoren reagieren erstaunlich ruhig ob der Turbulenzen.

Roland Hamm, Fraktionschef von Linker/Pro Aalen:. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagt er. Er wolle einen Durchstich, aber der Hauptausgang von Mercatura sei ja zur Mittelbachstraße hin. Hamm verkämpft sich als einziger für die Isin/Lingel-Lösung, das Boger-Haus abzureißen und den so entstehenden Platz zu gestalten: „Das ist für mich nicht unbedingt vom Tisch.“Aalen. Abwarten, was die nächsten Tage passiert. So lautet die Devise der Familien Igel (Adler-Apotheke) und Stumpf (Früchtehaus Hieber). Schon kommende Woche soll es neue Gespräche mit Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler geben. „Die Telefone laufen heiß“, sagt Aalens Rathaussprecherin Uta Singer und kündigt ebenfalls weitere Gespräche an – zwischen der Stadt und der Essinger Wohnungsbau.

Man wolle noch vor Ostern einen Kompromiss hinsichtlich Dachform, Gliederung und Höhe des Geschäftsfhauses ausloten. Am 18. April soll der Fachbeirat Städtebau wieder tagen. Ein Kompromiss scheint aber unwahrscheinlich. Die Essinger Wohnungsbau hat klargemacht, dass sie das Gebäude nur zu ihren Bedingungen realisieren will. Bleibt sie dabei, wird der Gemeinderat wohl über die Variante abstimmen, die bereits im November vorgestellt wurde.
Demnach werden Früchtehaus Hieber und Adler-Apotheke sowie das Café Gebhardt abgerissen. Die Essinger Wohngsbau will ein neues Geschäftshaus aus drei Gebäudeteilen errichten mit zweigeschossiger, lichter Passage zum Mercatura, das „Tor am Regenbaum“. So hätte es auch der Innenstadtverein ACA gerne.
Dass der Durchstich geplatzt ist, wie es vergangene Woche hieß, kann Josef Funk von Mode Funk nicht gefallen, wie er sagt: „Mit Sicherheit nicht.“ Florian Friedel von Saturn Herrenmode mag eigentlich gar nicht mehr über das Thema sprechen. Er sei enttäuscht, hatte ACA-Vorsitzender Horst Uhl bereits gegenüber der SchwäPo gesagt, auch darüber, dass der Überweg jenseits des Durchstichs, am Nördlichen Stadtgraben, von der Stadt nicht ausreichend gestaltet werde. Eins eint alle direkt und indirekt Betroffenen: Sie wundern sich, warum die Stadt angesichts der Dimensionen, die das Mercatura-Center annimmt, beim Geschäftshaus in der Beinstraße auf das Gebot der Altstadtverträglichkeit pocht. Und was sagt die Aalener Wohnungsbau?
Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler hatte angedeutet, dass die städtische Tochter anstelle der Essinger Wohnungsbau als Investor auftreten könnte. Geschäftsführer Robert Ihl will keinen Kommentar abgeben: „Offensichtlich gibt es noch Gespräche.“ 

CDU und SPD wollen den Durchstich ermöglichen
Im Gemeinderat zeichnet sich eine andere Richtung ab. Die SPD-Fraktion hat am Dienstag getagt und kontrovers diskutiert. „Es gibt einen Trend dazu, die ursprüngliche Lösung der Essinger zu ermöglichen“, meint Fraktionschef Albrecht Schmid. An den Giebeln dürfe es nicht scheitern, man könne sich an den Nachbargebäuden orientieren.
Das sieht auch sein CDU-Kollege Dr. Karl Franke so. „Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander“, sagt er zur Haltung von Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler (CDU), die historischen Giebelhäuser zu erhalten. Angesichts der Größe von Mercatura hinter den Gebäuden sei das Argument nicht nachvollziehbar. Franke: „Ich will mit aller Entschiedenheit den Durchstich zu Mercatura ermöglichen.“
Ganz anders sehen das die Grünen und auch die Linken/Pro Aalen. Der grüne Fraktionsvorsitzende Michael Fleischer sagt: „Die Dachformen sollten der Innenstadt entsprechen.“ Man solle sich nicht an den wenig anschaulichen Gebäuden wie Boger oder Schuhhaus Wagner orientieren. Fleischer: „Je mehr wir darüber diskutieren, desto stärker komme ich zu dem Schluss, dass wir den Durchstich nicht brauchen.“
Dieser Sichtweise schließt sich auch Roland Hamm als Fraktionschef von Linker/Pro Aalen an. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagt er. Er wolle einen Durchstich, aber der Hauptausgang von Mercatura sei ja zur Mittelbachstraße hin. Hamm verkämpft sich als einziger für die Isin/Lingel-Lösung, das Boger-Haus abzureißen und den so entstehenden Platz zu gestalten: „Das ist für mich nicht unbedingt vom Tisch.“
Allerdings erklären die anderen Fraktionen und die Stadtverwaltung unisono, dadurch entstehe eine zu große Lücke. Die dreijährige Diskussion über den Durchstich geht also noch weiter.

© Schwäbische Post 23.03.2011 – ALEXANDER GÄSSLER UND RAFAEL BINKOWSKI