Die Linke/proAalen für den Erhalt des Museums im Spionrathaus

30. April 2011  Allgemein, Presseecho

Jetzt ist auch Verkauf im Gespräch

Roland Hamm (Die Linke/Pro Aalen) erinnert daran, dass er mit Dr. Holger Fiedler immer für den Erhalt des Museums im Spionrathaus plädiert habe, solange keine adäquaten Flächen für die Geologen gefunden sind.

Bald soll der Aalener Gemeinderat über die Vermarktung des Spionrathauses befinden – eine Option ist der Verkauf

Die Debatte um die Zukunft des Spionrathauses erreicht eine weitere Runde. Ging es bislang nur um eine Vermietung, so hat jetzt Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher im Gespräch mit dieser Zeitung erstmals auch das Ansinnen der Stadt durchblicken lassen, das denkmalgeschützte Gebäude verkaufen zu wollen. Noch vor der Sommerpause sollen dem Gemeinderat verschiedene Optionen für die Vermarktung des Spionrathauses vorgestellt werden.

Aalen. Die Neuordnung der Aalener Museumslandschaft beschäftigt Stadtverwaltung und Gemeinderat seit Jahren. Das Spionrathaus spielt darin eine zentrale Rolle, weil es das Urweltmuseum beheimatet. Der Gemeinderat hatte schon vor einem Jahr in seinen Sparbeschlüssen Druck gemacht, das Spionrathaus schnell anders zu nutzen. OB Martin Gerlach hatte anschließend signalisiert, das Urweltmuseum im Spionrathaus nicht zu schließen, bevor eine andere Lösung gefunden ist.
Mittlerweile wurde ein externer Gutachter beauftragt. „Eine Vermarktung des Erdgeschosses würde dem Haus schon guttun“, zitiert Fehrenbacher dessen Aussage. Seiner Ansicht nach wäre eine Teilvermarktung theoretisch möglich, da zwei separate Eingänge vorhanden seien. Theoretisch also einer für das Erdgeschoss, und einer für das Urweltmuseum im oberen Stock.
Eine Teilvermarktung des Spionrathauses indes könnte schwierig werden. Zum einen, weil die Fläche im Erdgeschoss zu klein ist für einen seriösen Handel. Innenstadtvermarkter wissen, dass es für höherwertige Mode-Labels in dieser 1A-Lage mindestens 150 Quadratmeter und mehr braucht, um eine gewisse Grundauswahl bieten zu können. Und auch für Dienstleister ist die Lage ohne direkte An- und Abfahrtsmöglichkeiten nicht optimal. „Das Erdgeschoss lässt sich höchstens vermieten in Kooperation mit dem Museum darüber“, wissen Vermarkter-Profis. Idealerweise anbieten würde sich dann etwa eine Cafébar, Feinkost oder eine schöne Eisdiele. Aber von alldem hat die Innenstadt ja schon genügend.
Wohl wissend um die Würde des Hauses für die Stadt Aalen, könnte sich Fehrenbacher dennoch vorstellen, das komplette Spionrathaus auszuschreiben. Und er überrascht mit diesem Gedanken die Mitglieder der Gemeinderatsfraktionen. Mit Ausnahme von Michael Fleischer (Bündnis 90/Grüne). „Wenn man sich schon über die Vermarktung der Immobilie Gedanken macht, dann muss auch ein möglicher Verkauf überdacht werden“, meint er sinngemäß. Eine andere Frage sei, ob man das politisch wolle. Er selbst habe mit einem Verkauf emotionale Schwierigkeiten. Doch er wolle nicht weiter diskutieren, bevor dem Gemeinderat nicht konkrete Zahlen vorgelegt werden – was bringt eine Vermietung, was ein Verkauf. Für eine weitere Diskussion fehle ihm die Grundlage, auch weil noch nicht eindeutig geklärt sei, wohin mit dem Urweltmuseum. Für die Fraktion der Grünen jedenfalls ist die „Erlebniswelt Eisen und Geologie“ im Tiefen Stollen mittelfristig vom Tisch.
Gleiches gilt für die CDU: selbst eine Teilrealisierung des Museumskonzepts im Tiefen Stollen ist für Fraktionschef Dr. Karl Franke undenkbar, weil zu teuer für die Stadt. Trotzdem könnte man seiner Meinung nach das Urweltmuseum in einem „gesonderten Raum“ im Tiefen Stollen unterbringen. Und somit sei das Spionrathaus frei für einen Verkauf. „Dagegen habe ich nichts einzuwenden.“ Franke gibt zu bedenken, dass die Stadt Aalen ohnehin zu viele Immobilien in ihrem Portfolio habe. „Das zwingt auch aus wirtschaftlichen Gründen zu schnellem Handeln.“
Bernhard Ritter (FDP/Freie) macht die Entscheidung über die Vermarktung des Spionrathauses in erster Linie abhängig von der Zukunft der Geologengruppe und demnach vom Ergebnis der Museumsdiskussion. Anders wie Franke rechnet er nicht mit einem schnellen Umzug des Urweltmuseums. Und auch Hermann Schludi (SPD) ist in dieser Sache eher zurückhaltend. „Solange sich die Vermarktung finanziell nicht wirklich auszahlt, sollte man das Spionrathaus weiter kulturell nutzen.“ Wie sein Fraktionsvorsitzender Albrecht Schmid ist er der Meinung, dass man das „Wahrzei
chen der Stadt“ nicht so einfach verkaufen kann.
Roland Hamm (Die Linke/Pro Aalen) erinnert daran, dass er mit Dr. Holger Fiedler immer für den Erhalt des Museums im Spionrathaus plädiert habe, solange keine adäquaten Flächen für die Geologen gefunden sind.

© Schwäbische Post 30.04.2011 Ulrike Wilpert