Wer gute Kultur will, der muss die notwendigen Mittel dafür bereitstellen, sagte Roland Hamm (Die Linke/Pro Aalen)

22. Juli 2011  Allgemein, Presseecho

Rat kürzt Sonderetat fürs Theater

Drei Anträge, zwei Kampfabstimmungen – Fürs 20-Jährige gibt es nur 7500 Euro extra

Erneut hat Intendantin Katharina Kreuzhage viel Lob für ihre Arbeit eingeheimst. Ihr Theater-Etat für die kommende Spielzeit hat den Aalener Rat problemlos passiert. Am Sonderzuschuss für das 20-Jährige wurde aber geknausert.

Aalen. Gut 840 000 Euro schießt die Stadt Aalen für den Theaterbetrieb in der kommenden Spielzeit zu. Zusätzlich hatte Intendantin Katharina Kreuzhage um einen Sonderetat gebeten – und zwar anlässlich des 20-jährigen Bestehens. Von den 15 000 Euro soll ein Buch über das kleinste deutsche Theater herausgegeben und ein Fest im November finanziert werden.

CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Karl Franke schlug vor, die Sonderausgabe zu teilen. Die Stadt gibt 7500 Euro dazu, wenn das Theater die anderen 7500 Euro aus den Rücklagen nimmt und im kommenden Jahr den benötigten Transporter selbst finanziert. Hermann Schludi (SPD) erinnerte, dass das Land fürs 20-Jährige 9000 Euro zugesagt habe. Er beantragte, dass die Stadt wenigstens dieselbe Summe geben möge. Das Buch sei eminent wichtig und trage die Arbeit des Theaters nach außen, sagte er.
Doris Klein (Grüne) lobte die Intendantin für die im vergangenen Jahr erzielten Mehreinnahmen in Höhe von rund 34? 000 Euro. Das zeige, dass Katharina Kreuzhage ein gutes Händchen bei der Auswahl der Stücke habe. Aber: „Die finanziellen Mittel für den Festakt und das Buch müssen aus dem Theateretat rausgeschwitzt werden.“
Nicht überraschend war die Fraktion von FDP und Freien Wählern uneins. Bernhard Ritter dankte für den wirtschaftlichen und schauspielerischen Erfolg, Thomas Rühl fand es nicht notwendig, zum 20-Jährigen ein Buch herauszugeben. Wer gute Kultur wolle, der müsse die notwendigen Mittel dafür bereitstellen, sagte Roland Hamm (Die Linke/Pro Aalen) – sprich auch etwas Geld für ein bisschen Marketing.
Folglich sollten drei Anträge zur Abstimmung kommen. Zuerst der Antrag der Grünen, der ja am weitesten gereicht hätte. 17 Stadträte waren dafür, den Sonderetat komplett zu streichen, 24 stimmten mit nein, zwei enthielten sich.
Dann ging’s in Runde zwei und um den von der CDU vorgeschlagenen, halbierten Sonderetat. Es wurde noch knapper, Kulturbürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher bat um deutliche Handzeichen und zählte zweimal durch. Ergebnis: 23 Stadträte sprachen sich für den 7500-Euro-Zuschuss aus, 19 waren dagegen, vier enthielten sich.
Über den SPD-Antrag wurde nicht mehr abgestimmt. „Warum eigentlich?“, wunderte sich Hermann Schludi. Theoretisch hätte er ja eine Mehrheit bekommen können. Aber da war der Tagesordnungspunkt schon abgehakt – und die Stadt hatte 1500 Euro gespart. Jedenfalls, so glaubt er, werde nun auch das Land seinen Zuschuss auf 7500 Euro reduzieren. Katharina Kreuzhage nahm’s mit Humor: Dann gibt’s beim Fest halt kein Büfett.

© Schwäbische Post 22.07.2011  ALEXANDER GÄSSLER