Viele lokale Politprominente solidarisieren sich beim „Schwabenstreich Aalen“

22. September 2011  Allgemein, Presseecho

Neuer Protest gegen Stuttgart 21

Die Gruppe „Schwabenstreich Aalen“ startet mit einer Aktion am Bahnhof die Kampagne für den Volksentscheid

Am 27. November wird über Stuttgart 21 abgestimmt. Bis dahin wollen die Stuttgart-21-Gegner jeden Mittwoch mobil machen. Schon 46 Mal haben sie in Aalen demonstriert. Am Mittwoch haben sie symbolisch die aus ihrer Sicht zu engen Fluchtwege im geplanten Tiefbahnhof in Stuttgart dargestellt. Damit haben sie ihre Kampagne zum Volksentscheid gestartet.Aalen. Auf dem Bahnhofsvorplatz liegt ein Regionalexpress. Aus Pappe wohlgemerkt. Daneben ein Absperrband und ein enger Korridor von 1,24 Metern bis hin zum Kunstwerk mitten auf dem Platz. „Genau so eng wären die Bahnsteigkanten im Tiefbahnhof“, sagt Hubert Königer, der zusammen mit Sven Semmler und Armin Bernlöhr die wöchentlichen S-21-Demos organisiert.

Schon zum 46. Mal treffen sich die unermüdlichen Stuttgart-21-Gegner. Nach der Sommerpause blasen sie zu einem Wahlkampf für den Volksentscheid. Um zu zeigen, wie eng es in den Tunnelröhren werden kann, haben sie viele Leute mitgebracht, und Rollstühle, Fahrräder, Kinderwagen, Gehhilfen oder Trollis. „Achtung, Achtung, der Regionalexpress nach Aalen fährt heute von Gleis 14“, ruft der BUND-Regionalgeschäftsführer Andreas Mooslehner durchs Mikro.
Dann herrscht wildes Gedränge. Der BUND-Vorsitzende Werner Gottstein hat sich in einen Rollstuhl gesetzt. Passanten kommen entgegen, es wird gedrängelt und geschimpft. „Das ist ein Vorgeschmack darauf, was mit Stuttgart 21 droht“, sagt Sven Semmler dazu.
Er wirft der Deutschen Bahn AG vor, dermaßen viele Kosten sparen zu müssen, dass die Fluchttunnel zu eng seien. „Der Tiefbahnhof lässt sich zudem nicht behindertengerecht evakuieren“, sagt er. Denn die Aufzüge dürften im Brandfall nicht benutzt werden. Pfeifen und Beifall auf dem Bahnhofsvorplatz.
Gut 50 Stuttgart-21-Gegner sind gekommen. Zwischen 20 und 120 waren es bei den vielen Demonstrationen, die jeden Mittwoch um 18.25 Uhr stattfinden. „Wir wollen jetzt noch einmal alles mobilisieren“, sagt Berthold Weiß, der grüne Kreisvorsitzende, „Stuttgart 21 wird dem Nahverkehr unserer Region schaden.“ Die Mittel für den Ausbau der Brenz- und Jagsttalbahn stünden schon lange aus. Auch der Grünen-Ortsvorsitzende Walter Haveman sagt: „Jetzt werden die wirklichen Kosten an die Öffentlichkeit kommen.“
Viele lokale Politprominente solidarisieren sich,vom Linken-Fraktionschef Roland Hamm bis zu Pro-Aalen-Aktivist Uwe Lutz oder der grünen Nachwuchshoffnung Bennet Müller. Zum Volksentscheid sollen alle Kräfte mobilisiert werden. Jeden Mittwoch will man jetzt eine besondere Aktion machen. „Wir werden konkret die Nachteile für unsere Region durch Stuttgart 21 herausarbeiten“, erklärt Sven Semmler.
Und was passiert, wenn es trotzdem nicht reicht? Wenn das Quorum von 33 Prozent nicht erreicht wird, oder die Mehrheit für den Bahnhofsumbau stimmt? Darüber gehen die Meinungen noch auseinander. „Dann muss ein Schlusspunkt gesetzt werden, und der Tiefbahnhof wird gebaut“, meint Berthold Weiß. Der junge Aktivist Sven Semmler hingegen sagt jetzt schon: „Für uns geht der Protest weiter. Es wird ja nur über die Finanzierung abgestimmt.“

© Schwäbische Post 22.09.2011  RAFAEL BINKOWSKI