Kompromiss für den Durchstich

23. September 2011  Allgemein, Presseecho

Für den Durchstich zwischen dem Spritzenhausplatz und dem Einkaufszentrum Mercatura ist jetzt ein Kompromiss gefunden. Der Gemeinderat erlässt einen Bebauungsplan, mit dem eine Passage und auch der Umbau der Häuserzeile erlaubt wird. Allerdings dauert das mindestens fünf Monate, und über die Details muss noch diskutiert werde….Sogar Linken/Pro-Aalen-Fraktionschef Roland Hamm signalisiert grünes Licht, mahnt aber: „Ein Durchgang macht nur Sinn, wenn er direkt bei der Apotheke gebaut wird.“

Aalen. Große Einigkeit herrscht im Gemeinderat. Im Vorfeld hat sich Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler (CDU) mit den großen Fraktionen CDU und SPD auf einen Kompromiss verständigt. Und der sieht so aus: Es gibt einen neuen Bebauungsplan für die ganze Häuserzeile entlang des Nördlichen Stadtgrabens (siehe Luftbild). Allerdings wird die geplante Investition der Essinger Wohnbau mit Adler-Apotheke und Früchtehaus Hieber zu einem neuen Geschäftshaus als „Grundlage“ für den neuen Plan genommen.

Zudem soll eine „Durchwegung“ ermöglicht werden, wie es im schönsten Beamtendeutsch heißt. Der Formulierung sieht man an, wie lange darum gerungen wurde. So wird zwar betont, man solle sich an der historischen Struktur der Altstadt orientieren, aber das Bauvorhaben biete auch Chancen, die Stadtmauer zu inszenieren.
Dementsprechend einmütig fallen die Stellungnahmen aus. „Es gibt erheblichen Veränderungsbedarf am Nördlichen Stadtgraben“, sagt OB Martin Gerlach. Heim-Wenzler sagt: „Wir können jetzt diskutieren, was an dieser Stelle richtig ist.“ Der CDU-Fraktionschef Dr. Karl Franke stellte klar, dass seine Partei einen Durchstich und das Geschäftshaus ermöglichen will. „Wir dürfen die Giebelhäuser nicht historisieren“, sagt er. Sie seien erst 1952 gebaut worden, und mit den Giebel nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.
Franke setze auf das Wort der Baubürgermeisterin, dass in spätestens fünf Monaten das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen sei. Für die SPD erklärt Dr. Ulrich Klauck, man habe einen „tragbaren Kompromiss“ gefunden. Der Bebauungsplan sei ein guter Auftakt für die Sanierung der gesamten Häuserzeile. „Den Durchstich sollten wir ermöglichen“, meint Klauck, „mit kleinen Putzelhäuschen ist das nicht machbar.“
Zustimmung kommt auch von FDP/FW, deren Stadtrat Bernd Altenburg: „Es wäre völlig sinnlos, ein Sanierungsgebiet auszuweisen, wenn man alles so lassen will, wie es ist.“ Sogar Linken/Pro-Aalen-Fraktionschef Roland Hamm signalisiert grünes Licht, mahnt aber: „Ein Durchgang macht nur Sinn, wenn er direkt bei der Apotheke gebaut wird.“
Nur die Grünen stören die Harmonie und widersprechen vehement. „Der Bebauungsplan dient nur dazu, in einer großen Koalition das Bauvorhaben durchzudrücken“, sagt Fraktionschef Michael Fleischer. Man orientiere sich an den „Bausünden der 60er Jahre“ mit Flachdächern statt an der historischen Bausubstanz. Er bezweifelt, dass ein Durchstich notwendig ist: „Wir sollten das Geld lieber sparen.“ Am Ende gibt es nur neun Gegenstimmen, von den Grünen und von Norbert Rehm.

© Schwäbische Post 22.09.2011  RAFAEL BINKOWSKI