Hamm: „Bei so viel heißer Luft könnte man auch hier ein Windrad aufstellen.“

20. Dezember 2011  Allgemein, Presseecho

Gemeinderat drängt bei der Windkraft

Alle Fraktionen fordern die Verwaltung auf, nicht zu warten, sondern offensiv Standorte für Windräder zu planen Selten war sich der Gemeinderat so einig. Während die Stadtverwaltung bei der Windkraft eher der restriktiven Linie des Regionalverbandes folgen will, fordern alle Fraktionen im Rat, mehr Standorte zuzulassen und offensiv zu planen. Vor allem wollen sie die Stadtwerke dabei einspannen.Aalen. Gut zwei Stunden ging ein ordentlicher Wind durch den Großen Sitzungssaal im Rathaus. Irgendwann meinte der Linkenchef Roland Hamm: „Bei so viel heißer Luft könnte man auch hier ein Windrad aufstellen.“Vor allem SPD und Grüne wollten mehr Information von der Stadtverwaltung, was sie konkret vorhabe bei der Windkraft.

Die Antwort darauf blieb sie schuldig, trotz beharrlichen Nachbohrens. Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler (CDU) und Grünflächenamtsleiter Rudi Kaufmann verwiesen nur auf die Rechtslage: „Ab September 2012 sind die Kommunen zuständig.“ Man könne dann keine Flächen mehr ausschließen, wie bislang, sondern müsse geeignete Windrad-Standorte festlegen.
Klar wurde allerdings, dass die Stadtverwaltung sich dabei eng an den Vorgaben des Regionalverbandes orientieren will. „Wir können davon nicht völlig abweichen“, erklärte Heim-Wenzler. Dieser schließt vieles aus, auch windreiche Standorte etwa Richtung Oberalfingen oder den Langert. Nur auf dem Härtsfeld und beim Braunenberg sind Windräder ausgewiesen. Das sei auch richtig, fand die Baubürgermeisterin. Man müsse den Lärmschutz beachten.
Ziemlich deutlich wurden SPD und Grüne in ihrer Kritik. „Ich kann nicht erkennen, wo die Stadt hin will“, sagte Senta D’Onofrio (SPD), „entweder die Stadt hat sich noch keine Gedanken gemacht, oder sie teilt sie uns nicht mit.“ Auch CDU-Fraktionschef Dr. Karl Franke forderte, schneller als der Regionalverband zu sein. Die Windkraft biete eine große Chance: „Wir könnten endlich etwas entlang der B 29 in Richtung Mittleren Neckarraum liefern.“
Für die Grünen sagte Karin Boldyreff-Duncker: „Ich bin enttäuscht von dem Bericht.“ Der Regionalverband wolle vor allem Windkraft verhindern, man müsse über deutlich mehr Standorte diskutieren und vor allem die Stadtwerke ins Boot nehmen: „Dort wurden schon Flächen ausgesucht, wo sind diese jetzt?“ Auch Karl Maier (SPD) forderte ein „klares Signal für eine kommunale Lösung.“
Für das Härtsfeld forderte der Waldhäuser Ortsvorsteher Jo Brenner (CDU), auch andere Standorte in Betracht zu ziehen als seine Region, und rechnete vor: „Wenn man zehn Hektar von 100 verpachtet, bekommt man gut 100 000 Euro Pachteinnahmen.“
Nur einige Räte bremsten die Euphorie, wie etwa CDU-Stadtdrat Thomas Wagenblast: „Wir sollten bei allen blinkenden Dollarzeichen, die ich hier sehe, die Gründlichkeit beachten.“ Zudem dürfe man den Respekt vor Naturschutz und „gewachsenen Kulturlandschaften nicht vergessen. Und Manfred Traub (CDU) forderte, mit den Nachbarnkommunen zu reden.
Die tatsächlichen Konfliktlinien wurden in der Debatte nur in Umrissen erkennbar. Zur Sache geht es, wenn ab Januar die Stadt konkret festlegen muss, wo Windräder stehen dürfen.
RAFAEL BINKOWSKI

© Schwäbische Post 15.12.2011